Dass ich die letzten Wochen leider garnichts gemeldet habe, liegt in erster Linie daran, dass ich mich an dieses Arbeiten hier erst noch gewöhnen muss. Wirklich anstrengend ist der Job nicht, aber den ganzen Tag stehen und dass 7 -12 Stunden, 5 Tage am Stück, das schlaucht einen schon ein wenig. Und wenn ich dann mal Zeit habe versuche ich natürlich so viel von hier mitzunehmen wie möglich, sprich ich gehe aus, gucke mir Sachen an, probiere Neues. Darunter hat dieser Blog nun leider leiden müssen. Dafür versuche ich heute an meinem freien Tag so viel nachzuholen wie es nur geht. Und dafür habe ich mir überlegt, gliedere ich einfach Ereignisse so, dass ich nicht von den einzelnen Tagen, sondern von Geschehnissen und allgemeinen Feststellungen berichte. Angefangen mit der Arbeit bei Disney.
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| Epcot World Showcase |
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Der Tag beginnt für mich zwischen 9 a.m. und 1 p.m. und endet meistens um 9.45 p.m. mit dem Closing. Ab 15 Minuten vor Arbeitsbeginn kann man sich 'Ein Clocken' wie wir es nennen um offiziel zu bestätigen, dass man pünkltich zur Arbeit erscheint. Das eine Mal war ich so schrecklich spät dran, dass ich um 12.45.46 Uhr die Anwesenheit bestätigte. Um dies zu schaffen musste ich mit meinen furchtbar unbequemen Schuhen von dem Cast Member Bus bis zum Computer rennen, wo ich dann gerade so, vollkommen aus der Puste meine Personalnummer zur Anmeldung eingeben konnte. Hätte ich es nicht rechtzeitig geschafft, hätte ich einen halben Punkt bekommen auf meiner Recordcard. Diese zählt positive und negative Auffälligkeiten auf. Man darf nur eine gewisse Zahl an Punkten haben, bis man ein Reprimand bzw. eine Ermahnung bekommt. Punkte kann man außerdem noch bekommen, wenn man sich krank meldet, garnicht zur Arbeit erscheint oder aus anderen persönlichen Gründen am Tag der Schicht anruft, um die Arbeit abzusagen. Noch habe ich also eine weiße Weste und ich plane auch nicht dies in nächster Zeit zu ändern. Die positiven Erwähnungen kann man sich verdienen, indem man den Managern oder anderen Mitarbeitern, durch gute Arbeit oder beispielhaftem Umgang mit Gästen, angenehm auffällt. Es gibt dann die sogenannten 'Great Service Fanatic' Karten, die ausgefüllt werden. Mit diesen kann man auch ein Auto und anderes gewinnen, jedoch halte ich das für einen Trick um die jungen Leute zu guter Arbeit zu motivieren.
Ein guter Umgang mit Gästen, das bedeutet soviel wie: Immer freundlich Lächeln und begrüßen, respektvoll und geduldig sein, egal wie sich ein Kunde verhält. Jedem das Gefühl geben, die wichtigste Person des Tages zu sein, vor allem den Kindern. Einem weinenden Kind ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern zum Beispiel, ist wenn man in diesem Kostüm steckt, ein Teil dieses, ich nenne es jetzt mal Abenteuers ist, garnicht so schwer. In solchen Momenten merken dann selbst die Jenigen, die normaler Weise keinen Spaß an der Arbeit haben, wofür wir uns den ganzen Tag die Beine in den Bauch stehen und unseren Gesichtsausdruck auf Dauerlächeln stellen.
Immer in seiner Rolle bleiben, das beinhaltet auch Codewörter für Dinge, wie den Gang zu den Sanitären Anlagen zu nutzen, der in dem Fall als Gang in den Garten bezeichnet wird. Wenn wir durch ein, von jemand anderem gezogenen Assignment dazu aufgefordert werden unsere Pause zu nehmen, lautet der magische Satz 'Please go make more Haribo'. Es gibt dann mehr oder weniger vier Möglichkeiten bzw Orte, diese Pause zu verbringen. Da wäre zum einen Tisch, der sich draußen hinter dem Backstagebereich von Deutschland befindet. Ein Schirm, der Dank der Löcher leider nicht vor starkem Regen schützt, bietet aber zumindest bei Sonne einen angenehmen Schatten. Als wirklich gemütlich würde ich es nicht bezeichnen, aber alleine die Tatsache für 45, 30 oder 15 Minuten sitzen zu könne, macht diesen Ort zu einem der Wohl beliebtesten Plätze auf der Arbeit! ;) Option Nr. 2 ist der Breaktrailer, dieser steht eigentlich fast direkt neben unserem Tisch, aber wird meist nur genutzt wenn es regnet. Zudem wärmt man dort sein Essen in der Mikrowelle auf, holt sich etwas zu Essen/Trinken aus den Automaten oder bereitet seine 28 Cent Suppe von Wallmart mit heißem Wasser aus dem Wasserspender zu. Ein weiterer Ort um etwas zum Appetit Stillen zu bekommen ist die Cafeteria hinter dem 'American Adventure' Pavillion. Dort gibt es Pizza. Ja gut, es gibt auch Getränke, irgendwelche Sandwiches und sonstigen Krims Krams, aber wenn man dort hingeht, dann meistens für ein Stück Pizza. Last but (überhaupt nicht) least, die Cafeteria bei dem mexikanischen Pavillion. Dort gibt es ein Subway, täglich wechselnde Gerichte und und und. Natürlich auch Snacks und Getränke. Zudem ist diese Cafeteria relativ groß, so trifft man auch mal auf Cinderella oder Schneewittchens Prinzen, da auch diese mal was essen müssen. Und wenn die sieben Zwerge gerade mal nicht den Kochlöffel schwingen, dann muss eben ein ein gutes, frisches Sub her. Leider reicht gerade mal die 45 Minuten Pause um dort hinzukommen, wenn man gemütlich etwas essen will, denn der Weg dorthin ist nicht der Kürzeste. Soviel also zum Thema angenehmster Teil der Arbeit! Nun zu den verschiedenen Shops und meinen persönlichen Bewertungen dieser.
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| Eine sehr motivierte Mitarbeiterin! Ja, so bin ich! ;) |
Angefangen mit dem Wein Laden. Wenn man hier arbeitet, kommt man häufig mit den Gästen ins Gespräch, vor allem wenn diese schomal deutschen Wein IN Deutschland getrunken haben. Weil ihre Familie dort her kommt.. so ca. 20 Generationen zurück..! Nunja, wenn es dann um die Beratung bzw. Empfehlungen geht, dann muss ich leider auf das zurück greifen, was mir andere Gäste zu den Weinen gesagt haben, oder von den Notizen hinter der Theke ablesen. Denn, Dank dem sinnvollen Gesetz, dass Alkohol unter 21 zwar nicht getrunken, aber ausgeschenkt werden darf, habe ich keine Ahnung wie die verschiedenen Weine schmecken, geschweige denn bin ich dazu fähig den Gästen zu sagen, welcher unserer Weine mit einem Chardonnay oder jeglichen anderen Weinen zu vergleichen wäre. Dennoch gefällt mir die Arbeit dort ganz gut. Und wäre es mir erlaubt Trinkgeld anzunehmen, dann wäre ich sogar täglich um ein paar Dollar reicher!
Als nächstes haben wir dann den Stein Shop, in diesem verkaufen wir Biersteine, diese super hübschen Krüge mit niedlichen Metalldeckeln die jeder Deutsche bei sich im Schrank stehen haben sollte (dezente Ironie unterlegt den Satz). Die Amis jedenfalls stehen drauf, von daher gibt es immer irgendwas zu verpacken oder für den Versand vorzubereiten. Ein besonderes Highlight in diesem Shop: die T-Shirts mit Aufdrucken wie 'Bier Lieferungs Guy', 'Fass Sicherheit', 'Bier Queen', Its the Wurst' oder 'Hier um das Bier'(?!).
Weiter gehts mit dem Christmas Shop, ein Laden in dem rund ums Jahr Weihnachtsdekoration verkauft wird. Ettliche Ornament in Form von Mickey Maus, Pluto, Cinderella, die Schöne und das Biest, Schneewittchen oder auch der sieben Zwerge. Natürlich gibt es auch etwas klassischere Objekte, wie Weihnachts- und Schneemänner, Glaskugeln, Glaskerzen oder Gurken (ja, denn die deutsche Tradition sagt, dass wir an Weihnachten eine Gurke im Tannenbaum verstecken, welche dann von den Kindern gesucht werden muss). Es ist schon ganz nett anzusehen, die Bäumchen mit ihren Glitzernden Ornamenten, aber dort zu arbeiten gehört nicht unbedingt zu einer der spannensten Aufgaben in meinem Job.
Der Candystore erfordert harte Disziplin und Selbstbeherrschung. Der frische Geruch von Karamell, der einem nicht aus der Nase geht und an dem man sich auch keines falls gewöhnen kann und eine Caseline voll mit allen Leckereien die man so liebt. Cupcakes, Erdbeeren mit Schokolade und Karamell, riesige Cookies in verschieden Variationen, Karamell-Äpfel in alles Mögliche wie Schokolade, Erdnüsse, Marshmallows, und Zucker getunkt (richtig gesund, ist ja schließlich mit Obst!) oder auch irgendwelche Karamell-Teig gemische machen einen schon vom Angucken dick. Andererseits macht es Spaß den kleinen Kindern die Zuckerbomben in die Hand zu drücken und zu sehen wie glücklich es sie macht. Das Beraten fällt hier, auch wenn man noch nicht alles probiert hat, um einiges leichter als im Wein Laden. Am besten ist immer das, mit der meisten Schokolade, in diesem Fall also der Schokoladen Cookie. Wenn man dann so die ganze Zeit süßes Zeug verpackt und hin und her läuft, da vergeht die Zeit gleich viel schneller. Auf jeden Fall ein großes Plus für die Position Caseline. Die Kasse in diesem Laden hingegen kann relativ anstrengend sein, da zu gegebenen Tageszeiten ein großer Ansturm zu erwarten ist und das mit dem Finger auf den Kassen-Bildschirm hacken zur Tortur wird. Besonders schön finde ich ja (und das ganz allgemein), dass dank der Steuern in Amerika, die bei dem angegebenen Preis nie inbegriffen sind, der tatsächliche Preis immer irgendwelche komischen zahlen wie $4,21, $3,74 oder $7,78 ist. Das macht dann mit dem Rückgeld immer besonders viel Spaß!
Auf der anderen Seite des Hofes im deutschen Pavillion geht es dann mit dem Kaufladen weiter, wo wir Adidas und Puma verkaufen. Besonders viel los ist in diesem Laden eigentlich nie, aus diesem Grund werden Fußbälle und Hacky Sacks zu allerlei Spielerei genutzt. Manchmal ist es sogar möglich Gäste zu Spielen zu animieren, oder einfach ein wenig mit den Kindern rumzukicken. Fazit, man kann in diesem Laden seinen Spaß haben, das wars dann aber auch schon.
Der Kuckucksuhren Laden ist einer der anstrengensten Geschäfte, alle 5 Minuten erklingt ein Kuckucksruf, und die Kuhglocken in jeglichen Farben werden gerne einmal von jedem der den Laden betritt 'ausprobiert'. Man ist erstaunt wie viele Leute 1.200 Dollar für eine Kuckucksuhr ausgeben. Aber auch hier kann man wieder Kinderaugen zum strahlen bringen, indem man einmal an den Zeigern einer Uhr dreht um das Vögelchen hervorzulocken. Dankbare Eltern und ein kicherndes Kind sind das Resultat. Interessant ist, dass jeder zweite Gast eine Großmutter mit einer Kuckucksuhr hat. Manchmal sind es wirklich interessante Geschichten die man dann erzählt bekommt und man mag manchmal garnicht glauben wie offen manche Leute über ihr Leben erzählen. Bei anderen bekommt man den Eindruck, sie wollen sich einfach mitteilen, egal wie.
Nun sind wir bei unserem letzten Geschäft angekommen, dem Spielzeugladen. In diesem verkaufen wir typisch deutsches Spielzeug, wie Steiff Kuscheltiere oder irgendwelche Bausets für Hubschrauber (die seit ca. 10 Jahren in den Regalen stehen). Aber da auch Disney selbst vertreten sein muss, verkaufen wir Rapunzel Bücher, Perücken, Kleider von ihr und auch Schneewittchen, Pins (die werden von manchen Gästen gesammelt und auch getauscht), Spielfiguren, Kuscheltiere und Spielzeugschwerter, -kronen. Ein Teil des Spielzeugladens ist der Kidcot. Diese Position ist, durch die Tatsache, dass man sitzt, sie wohl angenehmste und auch beliebteste von allen. Hier spricht man auch viel mit den Gästen, was zwischendurch wirklich Spaß machen kann.
Im Großen und Ganzen kann man sagen, es ist nicht der schlechteste Ort zu Arbeiten. Und auch wenn man körperlich nicht sonderlich viel leistet, kann man am Ende eines Arbeitstages schon behaupten man hätte etwas erreicht. Zumindest für einige der Gäste, die einem durch ein einfaches, ehrliches Dankeschön (häufig sogar auf Deutsch) ein gutes Gefühl zurück geben. Und da ich mir heute eeeendlich vernünftige Arbeitsschuhe gekauft haben (hässlich und nicht günstig aber super bequem), ist auch das Stehen in Zukunft nicht mehr ganz so schlimm.
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| Mit Isabel und Becks im Chillers. Frozen Drinks: $1 |
Nun bin ich nach einem langen Tag meistens so müde, dass ich mich nicht mehr dazu aufraffen kann etwas Produktives zu machen, wie zum Beispiel etwas für den Blog zu verfassen. Tausend Gedanken schwirren mir dann im Kopf rum, aber festhalten scheint mir, wenn ich dann um 10.30 p.m. zurück im Apartment bin, unmöglich. Entspanntes Quatschen mit meiner norwegischen Mitbewohnerin Karianne hingegen ist dann genau das was ich brauche. Oder auch auf eine Cola und eine Folge 'How I met your Mother' zu Becks (Rebecca ist ihr eigentlicher Name, aber gibt es einen cooleren Spitznamen als die Marke des besten Bieres im deutschen Norden und auch sonst überall?!) um den Tag locker ausklingen zu lassen. Soetwas erscheint mir dann immer als das Sinnvollste um runterzukommen. Ab und zu dann auch mal den in Downtown Orlando gelegenen Club 'Chillers' besuchen um ein wenig das Tanzbein schwingen und die Stadt selbst, das macht das Leben hier zu einem guten Leben.
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| Downtown Orlando |
Zu einem Entdecken von Neuem und das jeden Tag aufs Neue. Man sieht neue Leute, neue Teile eines Ortes, der nun für ein Jahr mein Zuhause ist. Auch wenn ich manchmal nur durch den Kontakt zu besonderen Menschen aus meinem 'anderen Leben' wieder Kraft ziehe (das klingt wahnsinnig schnulzig, ich entschuldige mich dafür), hab ich unter anderem durch die vielen netten Menschen die ich hier nun schon kennen gelernt habe eine tolle Zeit.
Dieser Artikel ist nun auch lang genug und somit ist dies mein Schlusswort für heute. Ich werde versuchen wieder öfter die Zeit zu finden etwas zu schreiben, damit ihr auch wisst was hier so geht in Florida, dem, obwohl es hier dafür häufig regnet, wunderschönen Sonnenstaat der weit entfernten USA.